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Montag, 08. 03. 2010 |
| 20.00 Uhr Reihe Premiere Neues aus dem Jung und Jung Verlag Erwin Einzinger liest aus Von Dschalalabad nach Bad Schallerbach. (Jung und Jung 2010) Richard Obermayr liest aus Das Fenster. (Jung und Jung 2010) Moderation: Jochen Jung |
| Von Dschalalabad nach Bad Schallerbach. Weiße Flecken scheint es auf der Erde nicht mehr wirklich zu geben, einerseits. Andererseits hat der Leser, wenn er diesen Roman gelesen hat, durchaus das Gefühl, mehr gesehen zu haben, als auf der Erde überhaupt Platz hat. Wie durch ein umgekehrtes Fernrohr geht der Blick auf die Horizonte, um sich anschließend liebevoll mit der Lupe all dem zuzuwenden, was einem so vor den Füßen liegt. Natürlich kann man von dem Geistlichen erzählen, der im Tabernakel des Benediktinerklosters Admont ein kleines, feines Rauschgiftdepot angelegt haben soll. Oder von der rumänischen Projektkünstlerin, die dabei ist, eine Serie mit Fotos von Kloteppichen zu machen, die sie einem deutschen Galeristen versprochen hat. Die Wahrheit aber ist, dass dieses Buch in seiner Fülle nicht nacherzählbar sein will: Es ist bis oben hin voller Geschichten, die wie ein fröhlicher Tsunami über alle banalen Vorstellungen von Plot hinweg rollen. (zu: Von Dschalalabad nach Bad Schallerbach) |
| Das Fenster. Ist die Kugel, die durch diesen Roman fliegt, je abgefeuert worden? Und wenn ja, wird sie ihr Ziel erreichen, oder wird die Verlangsamungstaktik des Erzählers diesen Schuss aufhalten können? Dies ist die Geschichte einer Familie, die unter den Folgen eines Ereignisses leidet, für das es zwar viele Vorzeichen und Hinweise gab, das aber womöglich nie stattgefunden hat. Richard Obermayr hat einen Roman über das flüchtigste und zugleich unwiderrufbarste Element geschrieben: die Zeit. Tag für Tag geht sie durch uns hindurch und häuft sich als eine Vergangenheit auf, von der wir nicht wissen, was mit ihr geschieht. Ist es möglich, dass diese gelebte Zeit hinter uns weiterreift, ja dass jene Teile unserer Persönlichkeit, die wir zurücklassen mussten, um die zu werden, die wir heute sind, sich hinter unserem Rücken, hinterrücks, gegen uns verbünden? Was ist, wenn eines Tages die Vergangenheit uns nicht mehr braucht und ohne uns weiterlebt? (zu: Das Fenster) |
Erwin Einzinger Geboren 1953 in Kirchdorf an der Krems (Oberösterreich), Studium der Anglistik und Germanistik in Salzburg. Lebt als Schriftsteller und Übersetzer (aus dem Amerikanischen) in Micheldorf. Zahlreiche Auszeichnungen und Preise, u.a.: 1984 Rauriser Literaturpreis), 1995 manuskripte- Preis des Landes Steiermark, 2002 Landeskulturpreis Oberösterreich. Veröffentlichungen u.a.: Lammzungen in Cellophan verpackt (1977); Tiere, Wolken, Rache (Gedichte, 1986); Blaue Bilder über die Liebe (1992); Das wilde Brot (1995); Aus der Geschichte der Unterhaltungsmusik. Roman (2005); Hunde am Fenster. Gedichte (2008), Von Dschalalabad nach Bad Schallerbach (2010). |
Richard Obermayr Geboren 1970 in Ried i. Innkreis, aufgewachsen in Schlatt bei Schwanenstadt. Studierte in Wien und veröffentlichte literarische Texte in verschiedenen Zeitschriften (u.a.: manuskripte, kolik, Lettre). Obermayr lebt in Wien. Veröffentlichungen: Der gefälschte Himmel (1998); Das Fenster (2010). |
