Antonio Fian: Schwimmunterricht

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Buchtipp für den Sommer von Elisabeth Loibner.

Seit nunmehr 25 Jahren publiziert Antonio Fian, der 1990 mit dem österreichischen Staatspreis für Kulturpublizistik ausgezeichnet wurde und dessen Roman Das Polykrates-Syndrom (Droschl 2014) auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis landete, seine legendären schonungslos-irrwitzigen und zugleich scharfsinnig-zugespitzten Dramolette zunächst im Falter, seit 2005 im Standard und seit 1994 in Einzelbänden auch im Grazer Droschl Verlag.
Kaum etwas Treffenderes für Fians in feiner Spracharbeit komponierte Dramolette als die Sätze von Kraus im Vorwort seiner Letzten Tage der Menschheit: „Die unwahrscheinlichsten Gespräche, die hier geführt werden, sind wörtlich gesprochen worden; die grellsten Erfindungen sind Zitate. Sätze, deren Wahnwitz unverlierbar dem Ohr eingeschrieben ist, wachsen zur Lebensmusik.“
Der zum 60.Geburtstag des Autors erschienene Dramolettband Schwimmunterricht spannt in 70 Kurztexten den Bogen vom Alltag der einfachen Bevölkerung bis hin zum tagespolitischen Geschehen – von Beachvolleyballern, Hausmeistern, Muttertagsgratulanten bis zu Strache, Obama und Osama. Voll schwarzen Humors und tief abgründig, sollte man dieses köstlich unterhaltsame Buch unbedingt laut (vor-)lesen, so man das Wienerische oder Kärntnerische des kleinen Mannes oder das blasierte Hochdeutsch der Hautevolee halbwegs zu imitieren vermag. Zum Zerwuzeln!

Antonio Fian: Schwimmunterricht. Dramolette VI. Graz: Droschl Verlag 2016, 160 Seiten, € 19,00,-