Die Corona-Tagebücher, Teil 15 (letzter Teil)

in Die Corona-Tagebücher

Eine Auswahl aus den Einträgen von:
Helena Adler, Bettina Balàka, Birgit Birnbacher, Melitta Breznik, Ann Cotten, Nava Ebrahimi, Valerie Fritsch, Monika Helfer, Lucia Leidenfrost, Christian Mähr, Robert Pfaller,  Benjamin Quaderer, Julya Rabinowich, Angelika Reitzer, Kathrin Röggla, Thomas Stangl, Michael Stavarič, Daniel Wisser.

[PDF der Gesamtexte]

Robert Pfaller, 30.6.2020
Die erste Aufnahmeprüfung an der Kunstuniversität, die per Marathon-Videokonferenz durchgeführt wird. In diesem Jahr bewirbt sich eine ungewöhnlich hohe Zahl an Talenten mit sehr guten Mappen. Möglicherweise sind die Kunstuniversitäten Gewinner der Corona-Krise. Einer meiner Kollegen, Inhaber einer künstlerischen Professur, vermutet, dass die Krise den jungen Leuten Zeit verschafft hat, um darüber nachzudenken, was sie wirklich im Leben machen wollen, und ihre Mappen entsprechend gründlich vorzubereiten.

Melitta Breznik, 1.7.2020
So ausgiebig und entschleunigt habe ich das Werden des Frühlings und des Sommers noch nie beobachtet. Als Kind vielleicht, als ich die Tage draußen verlebt habe, gemeinsam mit meinen Freundinnen herumstrolchend. Verlangsamung bedeutete als Kind Langeweile, heute ist die Ruhe ein Geschenk, dazwischen liegen mehr als 50 Jahre.

Ann Cotten, 3.7.2020
Nimm den Wein, den alle kaufen; lies die Bücher, die alle lesen, fahre an den Knotenpunkt, um maximale Verknüpfungsmöglichkeiten zu haben. Wir haben dieses Verhalten von der Umgebung gelernt, und müssen es angesichts dessen, dass Ansteckung nicht mehr wünschenswert ist, überdenken.

Melitta Breznik, 3.7.2020
Nach einem Artikel über die Langzeitwirkungen der Infektion, sind Menschen selbst nach unspektakulär verlaufenen Erkrankungen über Monate geschwächt und erschöpft bei der geringsten Anstrengung, haben Gelenks- und Muskelschmerzen, Depressionen, können nicht mehr zur Arbeit zurückkehren. Was heißt das für die Gesellschaft, wenn die Durchseuchungsrate steigt? Werden mehr Menschen mit einem unbekannten Müdigkeitssyndrom nicht mehr am Alltag teilnehmen können und aus dem Arbeitsleben ausscheiden?

Angelika Reitzer, 3.7.2020
Zeugnistag, Ferienbeginn. Leichtes Rauschen vom Regen durch das offene Fenster herein. Ich bin vom Bett nach einer kurzen Frühstücksunterbrechung aufs Sofa gewechselt, die Rippen rechts sind ziemlich geprellt. Gestern Abend hat ein entgegenkommender Radfahrer die Kurve um die Karlskirche herum stark geschnitten und ist frontal in mich hineingefahren. Totaler Zusammenstoß, ich war zwar gemütlich unterwegs, aber nicht in der Lage auszuweichen.

Daniel Wisser, 4.7.2020
Ich frage mich ein wenig, wo die Schriftsteller/innen, Künstler/innen und Journalist/innen sind, die noch in den Jahren 2000 bis 2006 so erbittert für die Demokratie gekämpft haben. Seid ihr stumm geworden? (…) Aus den 1930er-Jahren wissen wir, was passiert, wenn die Schriftsteller aufgeben, wenn sich etwa ein Karl Kraus hinter Dollfuß stellt und wirklich meint, damit den Faschismus verhindern zu können.
Es geht jetzt um nicht weniger als darum, die völlige Umwandlung Österreichs in einen autoritären Staat zu verhindern. Es geht um’s Ganze. Eine Paralyse der demokratischen Gesellschaft wird das Ende der Demokratie nur beschleunigen. Und bevor man mir nun Panik und Alarmismus vorwirft, verweise ich auf die Geschichte: Die Zerschlagung der Demokratie dauert wenige Tage, ihre Wiedererrichtung Jahre.

Benjamin Quaderer, 5.7.2020
Diese Pandemie hat eine Sehnsucht in mir entstehen lassen, von der ich vorher nicht wusste, dass ich sie habe. Ich stelle mir vor, wie ich einen Garten bestelle, wie ich in den Wäldern spazieren gehe, ich, Benjamin Quaderer Thoreau, vielleicht werde ich Jäger, mit Sicherheit Imker, im Herbst wird gemostet, natürlich brenne ich Schnaps. Ich stehe auf dem Balkon meiner Eltern und denke: die Weite. Dabei vergesse ich: ich befinde mich in einem Tal.

Lucia Leidenfrost, 7.7.2020
Feierfazit dieses Jahres: eine verschobene Taufe, zwei verschobene Hochzeiten, vier runde Geburtstagsfeiern in einem anderen, kleineren Kreis oder es wurde gar nicht gefeiert, zwei Erstkommunionen, die anders und im Herbst sein werden.

Monika Helfer, 12.7.2020
Wir werden nicht wegfahren. Die Vorstellung, dass uns eine zweite Welle erfasst (für jemand wie mich, der Angst vor dem Ertrinken hat), ist übermäßig. Wenn die Grenzen offen bleiben, Flugzeuge aus fernen Ländern wieder landen, nicht auszudenken. Dabei war ich nie ein ängstlicher Mensch, hatte immer gedacht, das schaffe ich, andere haben es geschafft, dann schaffe ich das auch.

Birgit Birnbacher, 13.7.2020
das schöne an einer bucherscheinung im frühjahr ist, dass man bei gutem wetter reisen darf. eine erscheinung in den lockdown hinein hat nicht viel gutes, aber das frühjahr ist verlängert worden und nun gibt es im sommer viel mehr lesungen als gewohnt. die lesungen werden dann auch nicht behandelt wie gewöhnliche lesungen, sondern die menschen kommen mit dem gefühl, jetzt aber wirklich noch hingehen zu müssen, weil wer weiß, was morgen ist.

Monika Helfer, 15.7.2020
Oft denke ich, hätte ich nur Corona schon gehabt, dann wäre ich gelassen. Dass ich daran sterben könnte, denke ich nicht. Aber was weiß ich schon. Nichts. Rein gar nichts. Sollte man im Alter nicht gescheiter geworden sein und bis zum Tod die Gescheiteste (im eigenen Rahmen) überhaupt?

Birgit Birnbacher, 17.7.2020
wirklich erwähnenswert hingegen finde ich, dass ab sofort zuhause bleibt, wer krank ist. das könnte vieles verändern, das würde ein paar herzmuskeln schonen, das ist ja auch nicht das schlechteste, das ist zumindest nicht nichts.

Christian Mähr, 17.7.2020
Nun also doch: die zweite Welle. (…) die Amplerei wird zu einer Vielzahl unterschiedlicher Maßnahmen führen, in der Praxis zum kleinsten gemeinsamen Nenner unzureichenden Mindestschutzes. Vor allem, weil auch an die Eigenverantwortung appelliert wird. Das schmeichelt den Narzissten, ist aber sinnlos. Beim Terminus Eigenverantwortung sollten alle Alarmglocken schrillen. Das ist ein Ideologem, man kann auch sagen: Worthülse. Es bedeutet buchstäblich nichts.

Kathrin Röggla, 19.7.2020
Jetzt ist der falsche Zeitpunkt, sage ich mir, um ein sogenanntes Corona-Tagebuch zu beenden. „Der Lockdown war nur ein erstes Kapitel in einem langen Roman“, lese ich als Headline im Spiegel von Frank Hornig über Italien (…). Sind wir also schon bei den Romanen? Und doch. Für mich ist es ein guter Zeitpunkt, um mich abzuwenden von dem Gestus der permanenten Gegenwärtigkeit. Des andauernden Jetztjetztjetzt. Ich hatte nicht erwartet, dass ich dessen müde werden könnte.

Thomas Stangl, 20.7.2020
Man muss immer damit rechnen, dass die Nachbarn ansteckend sind. Man muss immer damit rechnen, dass Investoren kommen und dein Haus niederreißen. Man muss immer damit rechnen, dass kleine Wesen in dich eindringen und deine Lunge zerfressen. In jeder Wiese lauern Millionen von infizierten Zecken auf dich. Man muss immer damit rechnen, dass der Kontakt mit Wasser oder Luft tödlich ist. (Alle Nachrichten sind gefälscht, deine Eltern sind nicht wirklich deine Eltern, Gott hat dich ausgesucht, um.) (There´s a communist in the cupboard.) (Ein kleiner Schritt von der Unsicherheit zur Paranoia und zum Verschwörungswahn – der Sicherheit in der Unsicherheit. Der panischen Sicherheit in der Unsicherheit.)

Lucia Leidenfrost, 21.7.2020
Und es gibt es doch: Das geeinte Europa, die solidarische Union, die dem Virus und seiner Verwüstung geschlossen, gemeinsam die Stirn bietet. Europa pfeift auf die geizigen Vier, die Grenzen und Schranken, es hält die Gleichbehandlung, Gerechtigkeit und Geschwisterlichkeit in diesen Zeiten hoch. (Und dieses eine Mal, liebe Mitbürger*innen, möchte ich es nicht zerredet wissen, auch wenn man sicher Kritik üben kann, so haben sie sich doch nach 68 Stunden geeinigt, dass wir Hilfen gemeinsam gestalten.)

Thomas Stangl, 21.7.2020
An über 60.000 Neuinfektionen in den USA hat man sich seit Anfang des Monats gewöhnt. Und die „Todeszahlen“: ab welcher Höhe sind sie verstörend? Verstörung und die Gewöhnung an die Verstörung und die Verstörung über die Gewöhnung, die gewohnte Verstörung über die Gewöhnung. (Alles in gleichmäßiger Entfernung.)

Julya Rabinowich, 22.7.2020
Das Corona Tagebuch geht zu Ende, die meisten Einschränkungen, auch die sinnvollen, sind teils vor ihm zu Ende gegangen. Die Menschen gefährden sich fröhlich in Mengen und Massen, wenn auch maß- und maßnahmenlos. Die weit aufgerissenen lachenden Münder erzeugen in mir Hassgefühle, ich sehe ihren Speichel und ihre Rücksichtslosigkeit um sie herum in Aerosolwolken zerstieben, ich will sie nicht inhalieren müssen, nicht absorbieren, ich will, dass sie mir ganz einfach vom und aus dem Leib bleiben.

Valerie Fritsch, 23.7.2020
Die Masken sind wieder da. Es beginnt von vorne.

Michael Stavarič, 24.7.2020
Der letzte Eintrag in einem (öffentlichen) Tagebuch ist vermutlich einer, der nur misslingen kann. Was bleibt schließlich noch zu sagen?

Christian Mähr, 24.7.2020
Verschwörungstheorien sind keine Errungenschaften des Internetzeitalters. Bei der Pest von Mailand im Jahre 1630 glaubte die Mehrheit an sogenannte „Salber“, die Türstöcke, Kirchenbänke usw. mit einer pesterzeugenden Salbe einschmierten. Nachzulesen in den „Promessi Sposi“ von Allessandro Manzoni, der die Pest im 32. Kapitel schildert. Dort heißt es:
Die Vernunft war noch da, aber sie musste sich aus Angst vor der herrschenden Meinung verstecken.

Julya Rabinowich, 24.7.2020
Corona hat uns allen die Naivität genommen, wir wären sicher in unserer kleinen westlichen Welt, gewappnet und unter dem Glassturz europäischer Vergangenheiten. Voller Ansprüche, Rechte und Einzigartigkeit. Ich hasse Corona. Ich hasse die neue Zeitrechnung. Ich hasse die Endlichkeit. Ich hasse. Irgendwann wird mich dieses Hassen ermüden lassen, dann habe ich meine Ruhe. Aber noch ist es nicht soweit.

Nava Ebrahimi, 25.7.2020
Im Lungau küssen und „neideln“ sich die Alten ab wie eh und je, die Uroma kocht sich wie jeden Morgen ihren koffeinfreien Kaffee, als sei nichts geschehen, sie holt sich ihre selbstgemachte Marmelade aus der Speis, als sei die Welt die alte, sie sortiert ihre Tabletten und kämmt sich das schüttere Haar in dem kleinen Spiegel auf der Seitenwand des Kühlschranks, als schlitterten wir alle nicht gerade in eine ökonomische, soziale, vielerorts humanitäre Krise.

Michael Stavarič, 25.7.2020 (vormittags)
Wann weiß man eigentlich, dass etwas zu Ende geht? Ich meine, das Ende ist eine Kategorie für sich, ein sich oft dahinschleppender Prozess (…)
Ein Roman scheint also tatsächlich kein Ende zu nehmen, und vielleicht liegt es ja in der Natur der Sache, dass Geschichten nie zu Ende gehen können, da sie sich stets fortzusetzen wissen. Und so ist es wohl mit allen Dingen, denke ich mir, Akteure kommen und gehen, doch die Geschichten schreiben und das Universum dreht sich weiter.

Kathrin Röggla, 25.7.2020
Doch noch bin ich im Blick zurück, der mich etwas fassungslos macht. War auch ich so geschichtsvergessen? Das, was ich als extreme Veränderung durch die Pandemie beschrieben habe, ist ja ein Witz gegen das, was in den ersten sechzig Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts los war. (…) Wie hartnäckig ich an dem festhalte, was jetzt ist und jetzt sein muss, so und nicht anders, was es alles an wissenschaftlichen und kulturellen Ideen gab. Vielleicht würde ja ein Blick nach links und rechts genügen?

Michael Stavarič, 25.7.2020 (abends)
Am Ende wird das absolute Nichts sein, für immer und ewig.
Und natürlich wird sich der Anfang einer neuen und niemals zu Ende gehenden Geschichte fortsetzen … Tagebuch over and out.

Bettina Balàka, 26.7.2020
Ich habe Corona etwas zu verdanken, womit ich nicht mehr gerechnet hätte: Ich war in Hallstatt. Zum letzten Mal war ich vor zweiundzwanzig Jahren dort gewesen. Damals, 1998, war Hallstatt ein verwunschener Ort. (… ) Und nun war ich wieder in Hallstatt, um zu sehen, was sich verändert hat. Zum einen hat sich meine Wahrnehmung verändert, und das habe ich durchaus auch den Chinesen zu verdanken: Hallstatt ist für mich nicht mehr nur der düstere Schattenort mit Totenkulten aller Art. Ich sehe, warum dieser im Juli von Blumen überquellende Ort Weltkulturerbe ist, sehe die einmalige Schönheit des historischen Ensembles, und wie in Venedig sehe ich diesen Traumkern, gebildet aus Geschichte, Geheimnis, Natur und Kultur, der von keinem Massentourismus zerstört werden kann.

Daniel Wisser, 26.7.2020
Der Kapitalismus hat schnell gelernt, wie er mit Corona richtig zu verteilen ist. Nun haben die Armen den größten Schaden daraus und die Reichen den meisten Nutzen. Für den Mittelstand bleibt die Ungewissheit.

Lucia Leidenfrost, 26.7.2020
Was bleibt noch zu sagen? Abschiedsschmerz und Coronaangst? Erleichterungsgeschrei? Kuschel-Strandbar-Feier-Urlaub? Maskengegnerei? Strengere Vorsichtsmaßnahmen? Vielleicht lesen wir uns oder andere im Herbst oder erst im Winter, je nach dem, wann diese ständig steigenden Zahlen zur zweiten Welle werden und über den Erdball jagen.

Christian Mähr, 26.7.2020
Mir bleibt an dieser Stelle nur der einzig nützliche Imperativ, 2. Person Plural: Salvete!

Helena Adler, 27.7.2020
Einkaufen bei fünfunddreißig Grad mit Mundschutz, dabei kann ich auch ohne Maske schwer atmen. Mundschutz verursacht Mundschmutz, weil alles im Hals stecken bleibt. Maultot komme ich mir vor. Wie eine stumme Chirurgin, die fünf fairtraid Bananenkinder adoptiert. Luft und Lust liegen so nah beieinander. Draußen reiße ich den vom Makeup angefärbten Fetzen, der schon einen Kondenswasserbart um meinen Mund zeichnet, vom Gesicht. Ein Sturm wettert inzwischen eine unbeständige Welt zurecht und wäscht ihr den Kopf. Topfpalmen werden umgefegt, Mimiklose verlieren sich in verschiedene Richtungen, nur ich schlage Wurzeln durch den Asphalt. Wie das guttut, wenn ich mich selber im Regen stehen lasse. Der weiche Wind, die frische Luft und das Phänomen, dass wir noch atmen können. Das Unwetter greift in die Nacht über, die sich schon freut auf den nächsten Maskenball.

Nava Ebrahimi, 27.7.2020
In eineinhalb Jahren feiern wir deinen 90er, Urli, sagt einer, und alle heben die Gläser. Dass die Uroma die 90 schafft, ist das einzige, dessen ich mir gerade gewiss bin. Ich werde lernen, mit der Ungewissheit zu leben, Drosten hin oder her. Vermutlich der dekadenteste Luxus, den ich und viele Menschen im Westen so lange genießen durften; die Illusion von Sicherheit und Planbarkeit.

Angelika Reitzer, 27.7.2020
Die Rippe heilt, ich bilde mir ein, sie zusammenwachsen zu spüren. Jedenfalls schon weniger Schmerzen. Seit zwei Tagen kalte Zehen, obwohl endlich sommerliche Temperaturen, leichten Schüttelfrost, der Zustand meiner Gesundheit, Versehrtheit wie ein Treppenwitz für dieses „Tagebuch“.

Benjamin Quaderer, 27.7.2020
Es ist alles bloß noch Wiederholung, Repetition. Alles, was ich sage, habe ich schon hundertmal vorher gesagt, es ist immer: Gesichtsmaske, Abstand, zum ersten Mal seit, Desinfektion, Geister, in Zeiten von, usw., doch diese Formulierungen und die Erfahrungen dahinter sind mittlerweile so sehr Alltag geworden, dass daran nur noch berichtenswert ist, dass daran nichts mehr berichtenswert ist. (…) Es ist kein Leben mit der Pandemie mehr. Es ist ein Leben in der Pandemie. Ich habe mich darauf eingestellt, dass es noch eine Zeitlang, vielleicht für immer so bleibt, und das ist irgendwie auch okay, aber ich möchte jetzt wieder über etwas anderes schreiben.

Ann Cotten, 28.7.2020
Letzte Nachricht
Wir sind in die Zukunft entlassen. Wie nach einer Rehabilitation oder Entzugskur. Wir müssen selbst an unsere Verantwortung denken. Wir müssen von selbst regelmäßig die Nachrichten beachten und Verständnis haben für die belastend sturzblöden Stile, die dabei aufgetragen werden. Der Stil des Sturzblöden, das so wenig Zuversicht in das gemeinsame Überleben erlaubt.  (…) Selbst habe ich ganz anders geartete Denkprobleme. Ich bin mir der Komplexität und der Vielheit der Faktoren bewusst und vor allem auch dessen, dass es oft ganz anders ist, als man denkt.
Leider ist es aber nun auch so, dass eine Erkenntnis der Vielfalt des Möglichen mithin dahin führt, dass erst recht unklar ist, was man tun soll. Daran arbeite ich.

Melitta Breznik, 28.7.2020
Die Infektionszahlen rund um den Globus steigen. Die Welt hat sich verändert, die Menschen und ihre Umgangsformen haben sich verändert. (…) Gerne würde ich wieder einmal spontan jemanden umarmen. Einfach so.

 

Die Corona-Tagebücher. Ein Projekt des Literaturhauses Graz

Konzept: Klaus Kastberger. Redaktion: Agnes Altziebler, Elisabeth Loibner.
© Bei den Autorinnen und Autoren. Nachdrucke nur nach deren schriftlicher Genehmigung und mit dem Hinweis: Der Text ist Teil des Projekts „Die Corona-Tagebücher“ des Literaturhauses Graz.

Weitere Infos: agnes.altziebler@uni-graz.at, Tel. 0316/380-8372 oder 0664/8565146