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Dossier - page 16

Michael Stavarič: Kontexte

in Klassiker in fünf Minuten

Ein probates Mittel, um sich Kafka zu nähern, ist keinesfalls nur Improvisation und Interpretation, vielmehr scheinen mir als Schriftsteller auch Nachahmung, Paraphrase, Persiflage, sprich Cover-Versionen jeglicher Art, geeignet; nicht zu vergessen, dass sich Kafka selbst gerne anderer Texte und Kontexte bediente. In der Verwandlung wird beispielsweise Dostojewski und dessen Roman Der Doppelgänger paraphrasiert, dieser beginnt…

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Helmut Eisendle: Ein Handschlag

in Objekt des Monats

Handschlag. Die kurze Abwesenheit eines Vorurteils. In: Sechzehn Bütten. Wien, Berlin 1993. 15 Bl. Aquarelle und 15 Bl. hs. Texte. 70×100 cm. Archiv des Franz-Nabl-Instituts für Literaturforschung. Mit einem hs. Text auf der Folgeseite: Das Gedächtnis sitzt wie eine Larve vor einem Ameisenbären in der Grube. Der Bär lauert auf seine Beute. Jede Art von…

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NEU GELESEN: Richard Stradner über Werner Schwab

in Dossier neu gelesen

Wie steigt man aus im digitalen Zeitalter – aus der Sprache, aus der Gesellschaft, aus dem Ich? Wie lässt sich Widerstand überhaupt noch formulieren? Und wie kann Kunst opponieren angesichts eines gefräßigen, alles einverleibenden Markts? Werner Schwab, Kultfigur eines widerständigen Gestus in der kleinbürgerlich-bäuerlich-klerikal-faschistischen österreichischen Provinz in den späten 1980er, frühen 1990er Jahren, selbst noch…

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© Cordula Simon

Cordula Simon: porny-wah-wah

in Writers' Blog

In meinem Haus wird gehämmert und gebohrt. Ein bisschen hört es sich an, als würde sich jemand einen Dungeon mit einer Unmenge metallener Ketten bauen. Die Geräuschkulisse muss also, um überhaupt arbeiten zu können, ausgeblendet werden. Für Arbeit ist ein vernünftiger, nicht zu schneller und daher nicht ermüdender Rhythmus zu bevorzugen. Sie sehen bereits, worauf…

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© flickr.com/photos/chipmonk

Olga Flor: Zäune

in Writers' Blog

Wozu es einen Zaun brauchen soll, wenn ohnehin schon alles eingezäunt ist, ist durch den Augenschein in Spielfeld nicht nachvollziehbar. Die Menschen stehen oder sitzen am Boden in einem schlangenförmigen Gattersystem, in Viehzäunen, die zur Engführung auf den Verschiebebusbahnhof hinleiten, eine Verschubhalle, wie für eine Auktion, wer will sie nicht, wer bietet am wenigsten, oder…

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© Valerie Fritsch

Valerie Fritsch: Das genetische Gedächtnis

in Writers' Blog

Kirschblüten und Krieg Entgegen der Mendelschen Vererbungslehre vererben Mäuse, denen man beibrachte, sich vor dem Geruch von Kirschblüten zu fürchten, ihre Angst vor Blumenduft ihren Kindern weiter. Sie kommen mit erfahrungsbasiertem Wissen ohne Erfahrung zur Welt. Nicht nur die Erbsubstanz, aber die Erinnerung ihrer Eltern wohnt ihnen in den Knochen. Ein genetisches Gedächtnis. Fahrig sitzen…

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Cordula Simon: Pornös

in Writers' Blog

In der Wohnung über mir wird gebohrt und gehämmert. Daher versuche ich eine kleine Konzentrationsübung. Man muss sich ja gelegentlich vom Bohren und Hämmern ablenken und Nebenher darauf hinweisen, dass Pornografie von der Metaebene viel zu bieten hat. Auf der Seite pornmd.com/live-search kann man die Begriffe mitlesen, die Nutzer der Seite gerade erst eingegeben haben….

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Werner Schwab: Musikkassetten

in Objekt des Monats

3 Audiokassetten mit handschriftlicher Beschriftung von Werner Schwab, undatiert, mit diversen Radio-Mitschnitten, aus dem Nachlass des Schriftstellers am Franz-Nabl-Institut für Literaturforschung. Das oststeirische Dorf Kohlberg, wohin Werner Schwab (1958–1994) nach einem mehrjährigen Aufenthalt in Wien übersiedelte, war in den 1980er Jahren Ort eines (sub)kulturellen Transfers, der sich in Radio-Mitschnitten auf dem mittlerweile veralteten Medium Musikkassette…

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Kathrin Röggla: Was wird Literatur?

in Dossier: Was wird Literatur?

Was wird Literatur? Nein! Was ist Literatur? Dies ist kein Statement zur Zukunft der Literatur. Mir ist die Zukunft der Literatur schnurzpiepegal. Es geht doch immer in diesen Zukunftsdebatten um Gegenwart. Denn die Gegenwart ist natürlich wie man aus allen möglichen Realismusdebatten weiß, mit Zukunft und Vergangenheit aufgeladen. Schuldverhältnisse sind das. Heute mehr in Hinblick…

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Christian Benne: Based on a true story

in Dossier: Was wird Literatur?

Manche Sprachen besitzen für die Zukunft der Vergangenheit, futurum in praeterito, eine eigene Tempusform. Die deutsche Sprache gehört nicht dazu. Sie behilft sich mit Umschreibungen. Wir schreiben das Jahr 1998. (Wir umschreiben es, wir schreiben es um.) Die nahende Jahrtausendwende, das augenscheinlich grenzenlose Wachstum am Neuen Markt und die Aussicht auf den kurz bevorstehenden ewigen…

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