Binder © Agnes Altziebler
Binder © Agnes Altziebler

Nachruf Ernst M. Binder (1953-2017)

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Traurig und betroffen sind wir von der Nachricht, dass Ernst M. Binder, Regisseur, Autor, Lehrer, Musiker, plötzlich kurz nach seinem 64. Geburtstag gestorben ist.

Ernst M. Binder, der seit Anfang der 70er Jahre die Grazer Kulturszene belebte und entscheidend prägte, lange Jahre als Leiter von Forum Stadtpark Theater (1987-2003), dann ab 2003 als künstlerischer Leiter von dramagraz, war seit damals auch dem zur selben Zeit im Kulturhauptstadtjahr eröffneten Literaturhaus eng verbunden – als Autor und als Regisseur in zahlreichen Theaterproduktionen. Seine Inszenierungen waren vor allem österreichischen AutorInnen gewidmet.

Schon im Eröffnungsjahr 2003 inszenierte er im Literaturhaus Peter Handke „Versuch über den geglückten Tag“ und im Herbst Elfriede Jelinek „Das Schweigen. Einer dieser vergeblichen Versuche“, im Jahr darauf die szenische Hommage an H.C. Artmann und Hans Moser „Erlauben bitte: Ich“. „BECKETT.SILENCE. ein einziger schrei“ folgte 2006, Wolfgang Bauer „Magic Afternoon“ 2007, Franzobel „Die Verzückung. Monolog“ 2008, Peter Handke „Warum eine Küche? Ein Reisebericht“ 2009, „feminin/masculin. Ein Singspiel nach Texten von Bodo Hell“ 2014. Daneben trat er als Autor auf, etwa zur Präsentation seines Buches „Das stumme H“ 2011, in der Literaturhaus-Reihe „edition graz“ erschienen, als Vortragender über die „Opern der Zukunft“ oder gerade erst im Dezember 2016, als er bei dem Symposium „Was für ein Theater!“ mit Helmut Schödel das Interview Wolfgang Bauer und Werner Schwab las. Und eine weitere Produktion war für Juli 2017 bereits in Vorbereitung.

Seine Liebe zu und sein Respekt vor der Sprache und der Literatur, seine Hingabe, Wachheit, Neugier und Zartheit, seine kreative Rastlosigkeit, sein fröhlicher Fatalismus, sein mutiges Brennen wird fehlen.
Uns bleibt er mit Wertschätzung und Freundschaft in Erinnerung.

Das Team des Literaturhauses