Schranz © Agnes Altziebler
Schranz © Agnes Altziebler

Nachruf: Helmut Schranz (1963-2015)

in Allgemein

Unser lieber Kollege und Freund, Mag. Helmut Schranz, ist am 6. September 2015 im 53. Lebensjahr nach einer schweren Krankheit verstorben. Der Grazer Autor und Herausgeber, der sein Studium der Germanistik an der Karl-Franzens-Universität abgeschlossen hatte, war seit 2002 am Franz-Nabl-Institut beschäftigt. Dort betreute er die Bibliothek, insbesondere die Zeitungsausschnittsammlung.
Helmut Schranz war in der Öffentlichkeit vor allem als Mitherausgeber der avantgardistischen Zeitschrift perspektive – hefte für zeitgenössische literatur bekannt, als Organisator der Lesungsreihe perspektive wortlaut, sowie als Autor, der sowohl allein (Birnall, Schöner fehlen) als auch im Kollektiv (Absolut alles relativ umsonst, Interjektionen u.a.) arbeiten konnte. Es ging ihm dabei vor allem um einen avantgardistischen Zugriff auf die Sprache, der diese Bezeichnung auch verdient, d.h. sich abseits der vorhandenen Kochrezepte für literarische Produkte stets um radikal Neues bemüht. Dabei verlieren seine Texte nie die Bodenhaftung, bleiben spielerisch, geistreich witzig.
In seinem literarischen Verständnis und im Leben war Helmut Schranz unkorrumpierbar. Er ging seinen Weg, verfolgte konsequent, lustvoll und ausgesprochen selbstreflexiv seinen avantgardistischen, sprachspielerischen und sprachkritischen Ansatz – das Schranz’sche Wort-Universum, die Birnbaumerische Textwelt, Birnall als anarchisches Textunternehmen und Lebenswerk. Erst im Vorjahr erhielt er den ersten lime_lab-Preis für Transdisziplinäre Hörspiel-Konzepte für BIRNALL. suada. lyrik vulgo prosa, das im steirischen herbst 2014 im Forum Stadtpark uraufgeführt wurde.
Er wird uns fehlen – sein unverwüstlicher Humor, seine Herzlichkeit und Offenheit, sein Sprachwitz, sein Gesang und sein schallendes Lachen.
An Helmut Schranz als Autor und Mitarbeiter erinnert noch ein Bild in der Autorengalerie des Instituts, ein Projekt des Kulturhauptstadtjahres 2003, u.a. mit einem Ausschnitt aus seinem Text den kopf des konrad bayer, der die für ihn typische absurde Komik widerspiegelt: „der kopf ist ein nützlicher gegenstand. man kann mit ihm erdbeeren sehen“.

Das Team des Nabl-Instituts und Literaturhauses Graz