Olga Flor: Politik der Emotion, Teil II

Olga Flor: Politik der Emotion, Teil II

Di 07.03.2017 / 19 Uhr
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„Auch wenn es naheliegt in Zeiten, in denen allerorts an demokratischen Grundrechten gesägt wird: Man kann sich nicht ewig im Privaten breitmachen, so spannend ist die Sache wirklich nicht, die Lage der Welt rundum schreit nach Aktivwerdung, nach Mitwirkung, Beteiligung an allen Formen des auf andere Menschen Zugehens, des mühseligen kleinen Entgegenwirkens gegen all die Verletzungen, Verhärtungen, gegen die anwachsende Verzückung durch simplizistische Ideengebäude, durch Faschismen religiöser, monetärer und anderer Art, gegen die Ratlosigkeit angesichts all des globalisierten Elends, gegen die Abgrenzung. Und die ganze Kleinarbeit, die dem entgehen wirken könnte, muss man wohl selbst erledigen. Dass das Private dabei gar nicht mehr privat bleibt, nicht aus den altbekannten Gründen, sondern weil eine allwissende Dingwelt dabei ist, die Kontrolle über ihre Menschen zu übernehmen, ist dabei mindestens ebenso bedenklich, wird aber resignierend hingenommen.
Es gilt, öffentlich zu werden, anhand von Fakten – gern geschmäht, warum eigentlich? muss man das so stehen lassen? – zu diskutieren, zu reden, zuzuhören, Widerspruch zuzulassen und selbst zu widersprechen, um einer politischen Stimmungsmache etwas entgegen zu setzen, die das Modell der liberalen Demokratie für obsolet erklärt und sich dabei auf eine gefühlte Mehrheitsmeinung eines schwammig definierten Volks beruft.“
(Olga Flor)

Die Frühlings- und Herbstvorlesungen der Akademie Graz antworten auf eine Gegenwartstendenz, die immer ungemütlicher wird. Dem Fortschritt der Moderne wohnt eine Verschleißunruhe inne. Die Vergangenheit wird zunehmend entwertet, die Zukunft ihrer Substanz beraubt. Wer gegen diesen Strom schwimmen will, ermüdet rasch.Die Gegenwartsanalysen namhafter Vortragender sind vom Prinzip Anachronie getragen, also von der Idee, dass engagierte Zeitgenossenschaft mit dem Mut zur Vorsicht ebenso wie der Leidenschaft für das Unzeitgemäße verknüpft werden sollte.

Bisher zu Gast waren, beginnend mit dem Autor Dimitré Dinev im Jahre 2009 zum Thema „Barmherzigkeit“, der Philosoph Thomas Macho und die Journalistin Anneliese Rohrer, die Philosophen Peter Bieri und Peter Strasser, das AutorInnentrio Helwig Brunner, Kathrin Passig und Hans Schuh zu „Die Kunst des Zwitscherns“, die AutorInnen Anna Mitgutsch, Ilija Trojanow, Martin Pollack, Anna Kim, Najem Wali, weiters Kulturtheoretiker Klaus Theweleit, Soziologin Elisabeth Beck-Gernsheim, Kulturwissenschaftler Wolfgang Ullrich und Historiker Philipp Blom.

Die Essays der Vorlesungen werden im Residenz Verlag in einer eigenen Reihe publiziert.

In Kooperation mit Akademie Graz und Residenz Verlag

 

Mitwirkende: Olga Flor
Preis: € 6,00
Preis ermäßigt: € 4,00
Raum: Saal
Tickets: verfügbar