© Taska
© Taska

Tag 2: Heimat und Horror bei Elfriede Jelinek

Fr 20.10.2017 / 14:30
Kategorie: /

„Horror”

14.30 Uhr Film
Carnival of Souls (1962, 84 min)
Einführung: Thomas Ballhausen
Tanz der toten Seelen (Carnival of Souls) ist ein Low-Budget-Horrorfilm, der von Herk Harvey gedreht wurde. Der Handlungsablauf ist einer Geschichte von Ambrose Bierce mit dem Titel Ein Vorfall an der Owl-Creek-Brücke entlehnt. Tanz der toten Seelen blieb Harveys einziger Spielfilm.

“Sex/Gender/Medien“

17.00 Uhr Vortrag
Daniela Strigl: Vom Heimischsein ins Unheimische. Das Weltgericht in der Obersteiermark (oder: Jelineks Weltgericht in der Obersteiermark)
Wenn es am Schluß von Die Kinder der Toten heißt, die verschüttete Pension Alpenrose sei doch kein „Friedhof der Namenlosen“, dann ist dies durch die vorangegangenen 666 Seiten widerlegt. Jelineks Schauerroman ist ein einziger „Friedhof der Namenlosen“, von denen nur einige wenige künstlich-benannt aus der Masse ragen. Die obersteirische Topographie dagegen ist nicht namenlos, sondern präzis bezeichnet, das Horrorszenario ereignet sich auf realem Boden. Es ist das Gesicht der Heimat, das uns unheimlich anschaut. (Daniela Strigl)

17.30 Uhr Vortrag
Hildegard Kernmayer: Heimat toter Töchter und Söhne. Konzepte von Geschlecht in Elfriede Jelineks Roman „Die Kinder der Toten“
Elfriede Jelineks palimpsestische Totenklage ist nicht nur ein Text über die Schuld der Vergangenheit und deren Verdrängung, sondern auch über die Fortschreibung von Gewaltverhältnissen, die sich vornehmlich in den Geschlechterverhältnissen manifestieren. Deren ‚Inszenierung‘ im Roman erinnert an frühere Texte der Autorin und weist auf spätere voraus. Dennoch ließe sich (mit Haraway, Bared und Braidotti) fragen, ob sich in den dargestellten Interaktionen verwesender und zerstückelter Körper von Untoten mit der Körper-Geist-Dichotomie nicht auch die dichotomen Geschlechterkonzepte auflösen. (Hildegard Kernmayer)

18.00 Uhr Vortrag
Thomas Ballhausen: Horror/Film/Raum. Zu den Verbindungen von Elfriede Jelineks „Die Kinder der Toten“ und Herk Harveys „Carnival of Souls“
Sowohl Elfriede Jelinek als auch Herk Harvey, Regisseur ihres  Lieblingsfilms Carnival of Souls, machen die Idylle als Dystopie erfahrbar, als „entsetzliche Pause, in der nichts aufhört“ (Blanchot). Im Vortrag werden die mannigfaltigen Verbindungen zwischen Roman und Film verhandelt, sowie weiterführende Kontexte (z. Pynchon, Pinget) aufgezeigt: Heimat wird als Horror erfahrbar, Schuld und (V-)Erkenntnis manifestieren sich, die Toten kehren zurück. (Thomas Ballhausen)

„Heimat“

19.00 Uhr Film
Ramsau (1976, 60min)
Einführung: Roland Koberg: „Das ist eine schöne Landschaft“ – Angewandte Kapitalismuskritik im Dokumentarfilm
Ein einziges Mal hat sich Elfriede Jelinek als Filmregisseurin betätigt – bei Ramsau am Dachstein in der ORF-Reihe Vielgeliebtes Österreich schrieb sie das Drehbuch, führte Regie und trat als Reporterin in Erscheinung. Der Film, zur besten Sendezeit in ORF1 ausgestrahlt, war und bleibt skandalös, weil er sich den ungeschriebenen öffentlich-rechtlichen Regeln widersetzte. Statt das literarisch sensible Porträt einer Alpenregion zu zeichnen, zeigt Jelinek mit artifiziellen Mitteln den Profit- und Zerstörungswahn der Tourismusindustrie auf, ausgehend vom Einzelschicksal einer alten ausgebeuteten Magd. Ein Lehrstück über die Unvereinbarkeit von politischem und künstlerischem Anspruch und österreichischer Gefälligkeitskultur. (Roland Koberg)

20.30 Uhr Gespräch
Mit Thomas Ballhausen, Hildegard Kernmayer, Roland Koberg, Sigrid Löffler, Claus Philipp, Daniela Strigl
Moderation: Klaus Kastberger

21.30 Uhr Jelinek-Werkstatt (in der Literaturhaus-Lounge, mit Buffet)
Mit Studierenden der Germanistik der Universität Graz und Studierenden der Muthesius Kunsthochschule Kiel
Das an der Muthesius Kunsthochschule Kiel gegründete Institut der Kinder der Toten (IdKdT) wird in Kooperation mit der Lobby der Kinder der Toten (LdKdT) Bureaux und Veranstaltungkalender zwischen 25/09 und 21/10 in das Literaturhaus Graz verlegen. Die Bandbreite der Aktivitäten umfasst Gesprächs- und Lektürerunden, künstlerische Handlungen und Feldforschungseinsätze. Ankündigungen und Einladungen werden kurzerhand ausgeschrieben.
Studierende aus Graz richten daneben ihre Jelinek-Werkstatt ein. Interaktionen mit dem Publikum sind ausdrücklich erwünscht.

Eine Koproduktion von Literaturhaus Graz und steirischer herbst 17.

Eintritt: Tagespass 10 Euro, ermässigt 5 Euro.

Preis: € 10,00
Preis ermäßigt: € 5,00
Raum: Saal
Tickets: verfügbar

Kartenreservierung


Vorname (Pflichtfeld)

Nachname (Pflichtfeld)

Ihre E-Mail-Adresse (Pflichtfeld)

Anzahl: