Do., 09.04.2026

9:00 - 20:00 Uhr

Grundbücher der österreichischen Literatur seit 1945, Teil 1

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Veranstaltungsdatum: Do., 09.04.2026 // 9:00 - 20:00 Uhr

Kategorie: Symposium

Reihe: Grundbücher der österr. Literatur seit 1945

9 Uhr Begrüßung
Klaus Kastberger
Leiter Franz-Nabl-Institut/Literaturhaus Graz

 

Vorträge und Diskussion
Klaus Zeyringer: Zum Hundertsten. Vorgeschichte und Nachbetrachtung
Zwei literarhistorische Möglichkeiten, eine knappe Kanon-Reflexion, ein Rückblick ins Jahr 1995 zum Projekt einer Literaturgeschichte Österreichs, im Vergleich zu den Grundbüchern, und Anregungen für das Grundbücher-Projekt.

 

Michael Hammerschmid: „Der Traum ist ein Papier“. Für eine „multilaterale“ Literaturgeschichtsschreibung
Idealtypisch ließen sich die baukastenartigen Grundbücher als Collage mit großem Vernetzungspotenzial beschreiben, in dem quasi von jedem Punkt zu jedem anderen navigiert werden kann. Der Beitrag möchte von diesem Gedanken aus mit Fokus auf die Lyrik/-Beiträge Ansätze einer „multilateralen“, d.h. genauso springenden wie bindenden Lektüre anbieten und die Möglichkeiten dieser Verbindungs- und Assoziationsarbeit methodisch reflektieren.

 

11 Uhr
Vorträge und Diskussion
Rebecca Wismeg-Kammerlander: Bruchstücke der Vergangenheit – fragmentarische Erinnerung in Monika Helfers Die Bagage
Gemeinsam werfen wir einen Blick auf Monika Helfers Roman Die Bagage und auf dessen Umgang mit fragmentarischer Erinnerung. Es soll gezeigt werden, wie das Erzählen in Bruchstücken Leerstellen in individueller sowie kollektiver Erinnerung sichtbar machen kann. Im Dialog mit Werken von Autor*innen wie Raphaela Edelbauer oder Arno Geiger wird diskutiert, wie zeitgenössische österreichische Literatur eine mangelhafte nationale Erinnerungskultur reflektiert und kritisch aufzuarbeiten versucht.

 

Joanna Drynda: (Un)heilige Familie. Möglichkeiten und Grenzen der Selbstentwürfe, die aus der Abhängigkeit von der Familie resultieren
Das 20. Jahrhundert stellt die Familie vor eine Zerreißprobe, die Erfahrung des Verlustes von familiären Bindungen geht aber mit dem Wunsch einher, diese durch das Erzählen festzuhalten oder zu überprüfen. Am Beispiel der Werke von M. Helfer, A. Mitgutsch, S. Scholl, M. Haderlap, M. Schreiner und N. Gstrein soll den Identitätsentwürfen nachgegangen werden, die aus der Abhängigkeit von Familie entstehen, ohne den Anspruch zu erheben, ein normatives Konzept familiengebundener Identität zu etablieren.

 

14 Uhr
Vorträge und Diskussion
Uta Degner: Gesten der Hand – in Haushofers Wand und anderswo
Ausgehend von Marlen Haushofers Roman Die Wand geht der Beitrag der Bedeutung der ‚Hand‘ insbesondere bei Autorinnen der Grundbuchreihe nach. Die Bedeutung der Handgesten wird dabei in zwei Richtungen verfolgt: zum einen in Hinblick auf ihr Freiheits- und Emanzipationspotential – welche Dinge werden in die eigene Hand genommen? Inwiefern sind die Protagonistinnen in der Hand von anderen? –Zum anderen in Bezug auf die literarische Faktur des Textes, seine Maniera.

 

Birgit Nübel: Marlene Streeruwitz’ Vom Leben der Hamster in Schuhschachteln (2001/02) als Metatext der (österreichischen) Kultur- und Literaturgeschichte
Streeruwitz’ poetologische Essayistik überschreitet Oralität und Schriftlichkeit, Politik und Kunst, Literatur und Kritik. Schuhschachtel 1 wendet sich gegen ein Denken und Leben in Schuhschachteln, die dem Transport (transgenerativ), der Aufbewahrung (Tradierung), Wiederverwertung (Kanonisierung) und Kategorisierung (Autor, Epoche, Gattung) dienen. Dabei werden die nicht erzählte Geschichte der Macht und die Fortführung des Krieges zum Konstituens der Kultur.

 

16 Uhr
Vorträge und Diskussion
Deborah Holmes: ‚Grundbücher‘ in der Schule
Welche Rolle spielt Literatur – vor allem österreichische Literatur – im Unterricht an österreichischen Schulen heute? Die Entstehung der ‚Grundbücher‘-Reihe fällt in eine Zeit der Reformen in Schulwesen und Lehramtsstudium, die sich wiederum auf die österreichische Germanistik im Allgemeinen und die Literaturwissenschaft im Besonderen auswirken. Vorstellungen von ‚Schullektüre‘ verändern sich. Welche ‚Grundbücher‘ behaupten sich in der Schule und warum?

 

Carsten Otte: Lesen die Deutschen die falschen Österreicher? Die Rezeption des österreichischen Literaturkanons in DDR und BRD
Wie wurden die Grundbücher der österreichischen Literatur nach 1945 in Deutschland rezipiert und wie wirkte sich die deutsche Teilung auf die Rezeption der österreichischen Nachkriegsklassiker aus? Auffällig ist: Die Stars der österreichischen Literatur waren auch in Deutschland beliebt. Nicht wenige Werke aus Österreich, die eher der Experimentalliteratur oder der dialektalen Sprache zuzuordnen sind, haben im deutschen Literaturdiskurs eine geringe Rolle gespielt. Hat sich der Blick auf die österreichische Literatur inzwischen verändert? Lesen die Deutschen die falschen Österreicher?

 

18 Uhr
Vorträge und Diskussion
Stefan Alker-Windbichler: Authentizität. Eine trendige Kategorie im Sprechen über die Grundbücher
In den Analysen der Grundbücher kommt wiederholt eine aktuelle, vielleicht überraschende Kategorie zur Sprache: die Authentizität. Gemeint ist damit Verschiedenes: der Kick, den das Leben der Autorin gibt, besondere Sprachverwendung oder gelungene Erzählstrategien. In Gesprächen wird manchmal fast gestritten, wie viel Verkleidung oder authentisches Kraftlackltum bei einem Autor im Spiel ist. Untersucht wird die Praxis der Zuschreibungen im spezifischen Setting zwischen Subjekt- und Werkbezug.

 

Axel Pichler, Günther Stocker: Vermessung der Grundbücher. Eine computergestützte Korpusanalyse österreichischer Literaturgeschichtsschreibung
Der Vortrag untersucht auf der Grundlage einer computergestützten Analyse der bis dato publizierten Grundbücher-Bände zentrale Textpraktiken der österreichischen Literaturgeschichtsschreibung. Ziel ist es, wiederkehrende Strukturen literaturhistorischer Darstellung sichtbar zu machen, die Aufschluss über implizite Annahmen, Wertungspraktiken und Kanonisierungsprozesse geben. Der Beitrag versteht sich damit als explorative Annäherung

Klaus Zeyringer
Zeyringer © Studio Sattler, S. Fischer
Geboren 1953 in Graz. Er studierte Germanistik, Romanistik und Philosophie an der Universität Graz (Habilitation 1993 über die „Österreichische Literatur der achtziger Jahre“) und war Professor für Germanistik an der Université Catholique de l’Ouest in Angers, zudem ist er Literaturkritiker für „Der Standard“, „Volltext“, „Buchkultur“ und „Literatur und Kritik“. Er lebt in Pöllau (Steiermark) und München.Mehr erfahren
Michael Hammerschmid
Michael Hammerschmid © Walter Pobaschnig
Geboren 1972, Germanist und Autor (Gedichte, Lieder, Hörspiele, Essays), Übersetzer, Vortragender, Herausgeber und Lehrbeauftragter; lebt als Dichter für Kinder und Erwachsene in Wien. Er erhielt 2009 den Reinhard-Priessnitz-Preis, 2015 den Förderpreis zum Heimrad-Bäcker-Preis, 2018 den Josef Guggenmos-Preis für Kinderlyrik. Für "wer als erster" (Jungbrunnen 2022) und "stopptanzstill!" (Picus 2023) erhielt er den Österr. Kinder- und Jugendbuchpreis 2023 und 2024.Mehr erfahren
Rebecca Wismeg-Kammerlander
Wismeg-Kammerlander © Nadine Keilhofer
Sie studierte Germanistik und Philosophie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und schloss das Studium 2012 als Magistra Artium ab. 2020 beendete sie ihre Promotion in Germanistik am King’s College London. Ihre Monographie The Narrative Power of Things - Consumer Culture in Contemporary Austrian Literature ist 2023 in der Serie Studies in Modern German and Austrian Literature bei Peter Lang erschienen.Mehr erfahren
Joanna Drynda
Drynda © privat
Sie ist Leiterin der Abteilung für die Österreichische Literatur und Kultur an der Adam-Mickiewicz-Universität in Poznań. Forschungsschwerpunkte: österreichische und deutsche Gegenwartsliteratur, Gender Studies, Liebesdiskurse, Identitätsproblematik, Emotionen. Zuletzt: Inszenierung der Scham in der deutschsprachigen und polnischen Gegenwartsliteratur (Mithrsg. Wiesbaden: Harrassowitz Verlag 2025).Mehr erfahren
Uta Degner
Degner © privat
Sie ist Professorin für österreichische Literatur- und Kulturgeschichte an der Universität Innsbruck und gemeinsam mit Irene Fußl Gesamtherausgeberin der Salzburger Bachmann Edition. Zuletzt mit Beate Sommerfeld (Hg.): Dimensionen des Transgressiven in Friederike Mayröckers Spätwerk. Wiesbaden: Harrassowitz 2025.Mehr erfahren
Birgit Nübel
Nübel © Marie-Luise Kolb
Sie ist Professorin für Neuere deutsche Literatur des 18. bis 21. Jahrhunderts an der Leibniz Universität Hannover; 2003 Habilitation. Zuletzt: "Meine Essays sind eigentlich keine“. Zum Essayismus Elfriede Jelineks. In: Zeitschrift für Germanistik. N. F. XXXV (2025), H. 2; demnächst: Corona, Krieg und Klimawandel – Elfriede Jelineks Poetik der Entgrenzung in „Sonne / Luft / Asche“. In: Modern Austrian Literature 2026.Mehr erfahren
Deborah Holmes
Holmes © privat
Sie ist assoziierte Professorin für Neuere deutsche Literatur an der Universität Salzburg, wo sie sich 2022 habilitierte. Sie forscht v. a. zur österreichischen Literatur und Kultur und interessiert sich u. a. für Fragen der Gender Studies und Jugendliteratur. Seit 2014 Hrsg. des Jahrbuchs Austrian Studies; demnächst: Genius and Gender. Women Writing in German 1830-1910 (Legenda, Cambridge 2026).Mehr erfahren
Carsten Otte
Otte © Hartmuth Schröder
Geboren 1972, SWR Literaturkritiker in Baden-Baden. Er moderiert Lesungen auf vielen Bühnen im deutschsprachigen Raum und bespricht sowohl Prosa als auch Lyrik unter anderem in "Der Tagesspiegel", "taz", "Die Presse" und "Zeit Online".Mehr erfahren
Stefan Alker-Windbichler
Alker-Windbichler © Nicole Streitler-Kastberger
Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Franz-Nabl-Institut und Lehrbeauftragter am Institut für Germanistik der Universität Graz. Studium der Germanistik sowie Library and Information Studies an der Universität Wien, Promotion 2007 mit einer Arbeit über Gerhard Fritsch. Forschungsschwerpunkte: Österreichische Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts, Gegenwartsliteratur, Theorie und Praxis von Bibliothek und Archiv. Zuletzt: Fiktion Heimat. Identitäten, Körper, Umwelten in der österreichischen Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts (Mithrsg.; Graz 2025).Mehr erfahren
Axel Pichler
Pichler © privat
Er studierte Germanistik und Philosophie in Graz und Wien. Er ist Assistenzprofessor für Neuere deutsche Literatur und Digitale Literaturwissenschaft an der Universität Wien. Forschungsschwerpunkte: literarische Darstellungsformen der Philosophie/Theorie, Computational Literary Studies, Chancen/Risiken von KI in den Literaturwissenschaften.Mehr erfahren
Günther Stocker
Stocker © Barbara Mair
Er studierte Germanistik und Publizistik an den Universitäten Salzburg und Zürich; Habilitation an der Universität Wien. Er ist Universitätsprofessor für Neuere deutsche Literatur an der Universität Wien. Zahlreiche Publikationen und Forschungsprojekte zur österreichischen Literatur, zur Literatur und Kultur des Kalten Krieges, zur Leseforschung und zum digitalen Lesen.Mehr erfahren
Do., 09.04.2026
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