Mittwoch, 7. Dezember 2022, 19 Uhr

Österreichisches Kabarettarchiv

Ein Abend für Jura Soyfer

„…ein armer Vorklang nur zum großen Lied“

Ein Abend für Jura Soyfer, zum hundertzehnten Geburtstag, gestaltet von Roland Knie

Jurij (genannt Jura) Soyfer wurde am 8. Dezember 1912 in der damaligen ukrainischen Gouvernment-Hauptstadt Charkow (Charkiw) in eine überaus vermögende bildungsbürgerliche Familie hineingeboren: Die Mutter polyglotte Salondame, der Vater kapitalistischer Industrieller. Und auch, als die Soyfers aus Furcht vor dem bolschewikischen Umsturz die Handelsmetropole Charkow Richtung Süden verließen, kam Jura weder mit Not noch mit Flüchtlingselend auch nur in Berührung: er war knapp 8 Jahre alt, als seine Familie via Georgien und Istanbul / Konstantinopel schließlich, im Frühjahr 1921, nach Wien gelangte.

Jura wechselte mit Leichtigkeit die Unterrichtssprache mitten in der Volksschule und erlernte, dank seiner stupenden Sprachbegabung, sogar das Wienerische akzentfrei. Er absolvierte auch das Gymnasium problemlos und inskribierte an der Universität Germanistik und Geschichte – da war er allerdings schon journalistisch und literarisch sehr engagiert tätig (all das übrigens mit freundlicher Duldung und regelmäßigem Unterhalt seines Elternhauses): Mit Fünfzehn trat er, unter dem Eindruck des Justizpalast-Brandes, dem Verband Sozialdemokratischer Mittelschüler bei. Er hatte noch im Gymnasium zu publizieren begonnen: Polemiken gegen das herrschende Schulsystem. – Anfang der 1930er-Jahre veröffentlichte Soyfer Prosa und politische Lyrik in der „Arbeiter-Zeitung“, dem Parteiorgan der Sozialdemokratischen Partei

1936 begann die große Karriere Soyfers als Literat am damals eminent politischen Kabarett in Wien: Er schrieb seine großen Dichtungen („Mittelstücke“) für damals so genannte Kleinkunstbühnen („Weltuntergang“, „Der Lechner Edi schaut ins Paradies“, „Astoria“, „Vineta“, „Astoria“ oder „Broadway-Melodie 1492“), dazu und davor Gedichte, Chansons, Kurzprosa, Polemiken, Pamphlete und auch ein (groß angelegtes) Romanfragment „So starb eine Partei“. Sein posthum gesammeltes Werk umfasst mehr als 800 Druckseiten.

Jura Soyfer wurde 1938 bei einem Fluchtversuch verhaftet und vorerst ins KZ Dachau verbracht, wo zusammen mit Herbert Zipper das „Dachau-Lied“ entstanden ist. Im KZ Buchenwald stirbt Soyfer am 16. Februar 1939, mit Sechsundzwanzig, an Entkräftung und einer Typhusinfektion.

Eintritt frei!

Kontakt und Info: www.kabarettarchiv.at E-Mail: archiv@kabarettarchiv.at


Samstag, 10. Dezember 2022, 14-18 Uhr

Enquete

Aktive Neutralitäts- und Friedenspolitik in Zeiten globaler Kriege

Mehr als andere lokale bewaffnete Konflikte in den letzten Jahrzehnten und mehr als andere völkerrechtswidrige Überfälle und Annexionen seit dem Ende des Kalten Krieges drohen der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine und die Einverleibung von Teilen des ukrainischen Staatsterritoriums in das russische in einen globalen Krieg, im schlimmsten Fall in ein nukleares „Armaggedon“ (US-Präsident J. Biden) zu münden.

Schon jetzt haben Zigtausende Soldatinnen und Soldaten ihr Leben verloren und sind Tausende Opfer unter der Zivilbevölkerung in der Ukraine zu beklagen; im Fall einer atomaren Eskalation wären die Menschen in weiten Teilen Europas betroffen.

Wir verstehen uns als Teil einer weltweiten Bewegung verschiedenster zivilgesellschaftlicher Initiativen, die sich dieser bedrohlichen Entwicklung entgegenstellen.

Wir unterstützen alle Schritte zur Deeskalation und zum Dialog zwischen den Kriegsparteien, so weit entfernt diese zurzeit erscheinen – denn dazu gibt es keine Alternative außer tausend- und schlimmstenfalls millionenfachen Tod.

Begrüßung
Grußworte der Bürgermeisterin Elke Kahr

Referate:
Dr. Pascal Lottaz (Temple University, Tokio): Neutralität als zukunftsweisendes Modell für eine friedlichere Welt

Univ-Prof. Dr. Heinz Gärtner (International Institute for Peace, Wien): Zwischen den Blöcken: Neutralität und Blockfreiheit!

Assoz.-Prof.in Dr.in Claudia Brunner (Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, Zentrum für Friedensforschung und Friedensbildung): Stell dir vor es ist Krieg – und keine*r geht hin…

Moderation:
Dr. Peter Huemer (Wien)

Buffet

Veranstalter: Grazer Initiative für Frieden und Neutralität; Stadt Graz

Mehr Informationen unter: www.giffun.at

Anmeldung erbeten unter: info@giffun.at


Freitag, 15. Dezember 2022, 19 Uhr

PREISVERLEIHUNG UND LESUNG
EMIL BREISACH LITERATURWETTBEWERB 2022

der AKADEMIE GRAZ

Die Akademie Graz schreibt einen Wettbewerb für österreichische Autor:innen aus, der mit insgesamt € 6.200,- dotiert ist.
Der Preis des Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlicher Dienst und Sport Österreich € 3.700,- geht an
Sabine Schönfellner — SPRINGKRAUT

Sabine Schönfellner, geboren 1987. Studierte Literaturwissenschaft, Skandinavistik und Deutsch als Fremdsprache, anschließend Promotion in Literatur-wissenschaft. Arbeitet als freiberufliche Texterin und Lektorin, organisiert und leitet Schreibwerkstätten – seit 2006 Mitarbeiterin der Jugend-Literaturwerkstatt Graz, seit 2013 Leiterin der “Jungen LiteraturhausWerkstatt” im Literaturhaus Wien. Retzhof-Preis für junge Literatur 2017, Stipendiatin der Schreibwerkstatt der Jürgen-Ponto-Stiftung 2018, Wiener Literatur Stipendium 2019, exil-Literaturpreis für AutorInnen mit Deutsch als Erstsprache 2020.
Aktuelle Veröffentlichungen: Herbstwespen (Erzählung, mikrotext, 2020), Draußen ist weit (Roman, Literaturverlag Droschl, 2021).

Der Preis der Energie Steiermark € 2.500,- geht an
Anna Silber — DAS NEUE LEBEN

Anna Silber, geboren 1995 in Mödling, wuchs in Deutschland auf. Sie studierte Transkulturelle Kommunikation sowie Internationale Betriebswirtschaft und lebt in Wien. Nach zahlreichen Förder- und Nachwuchspreisen erschien im März 2022 ihr Debütroman »Chopinhof-Blues« beim Picus Verlag.

Die Gewinnertexte werden 2023 in der Literaturzeitschrift LICHTUNGEN publiziert.
Jury: Georg Petz, Autor, Claudia Romeder, Residenz Verlag, Andrea Stift-Laube, Literaturzeitschrift LICHTUNGEN

EINTRITT FREI — um Anmeldung wird gebeten!

Anfragen und Anmeldung: Akademie Graz, Tel: 0316 837985-14, Email: office@akademie-graz.at