Di., 19.05.2026

19:00 Uhr

Grazer Vorlesungen zur Kunst des Schreibens mit Mascha Jacobs, Teil 2

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Veranstaltungsdatum: Di., 19.05.2026 // 19:00 Uhr

Kategorie: Vortrag und Gespräch

Reihe: Grazer Vorlesungen

Moderation: Anne-Kathrin Reulecke

Teil 2: Every Letter is a Loveletter

 

Auch den zweiten Abend soll diese Kettenbewegung begleiten. Unter dem Titel „Every Letter Is a Loveletter” wird Mascha Jacobs dann über Briefromane und Briefe sprechen, die ihr eigenes Schreiben inspiriert haben. Derzeit arbeitet sie an einem Briefroman, der im Herbst 2027 bei Ullstein erscheinen wird. Sie hat auch schon journalistische Texte in die Briefform gegossen. Ausgehend von ihrem eigenen Schreiben möchte sie über Briefe als offene Form und Gefäß für eine besondere Art der intimen Kommunikation sprechen, die die Lesenden in eine voyeuristische Position bringt.

Briefe simulieren Intimität, die immer literarisch vermittelt ist. Sie sind, wie Heike Geißler sagt, „Fragmente in Drag“. Denn aufgrund ihrer offenen und experimentierfreudigen Form mischen sich in ihnen erzählerische und essayistische Elemente. Außerdem beziehen sie sich oft auf das alltägliche Leben und sprachen literaturhistorisch vor allem Frauen an, die nicht (wissenschaftlich) gebildet waren. Für jemanden, der stark von der Beschäftigung mit Popkultur geprägt ist wie Mascha Jacobs, sind vor allem das Spiel mit „Authentizität“ und die als „weiblich“ kodierte Lesart interessant. Die Briefkultur wurde ästhetisch abgewertet, sobald sich viele Frauen darin äußerten, um sie als „trivial“, gefühlsbetont, unmittelbar und unreflektiert abzutun, anstatt ihren literarischen Wert zu schätzen.

Da Briefromane scheinbar gesprächsnah und „authentisch“ sind, wurden und werden sie oft entwertet. Gerade wegen ihres vermeintlichen Zugangs zu Aufrichtigkeit und Tiefe sind sie jedoch zum idealen Genre geworden, um mit diesen Zuschreibungen zu spielen. Das lässt sich an den Briefromanen „Von Paul zu Pedro. Amouresken” von Franziska zu Reventlow (Reclam), I Love Dick” (Semiotexte) von Chris Kraus und in „Zoo. Briefe nicht über Liebe oder Die dritte Heloise” von Viktor Schklowski (Guggolz Verlag) nachvollziehen. Und an einigen Filmen von Chantal Akerman („News from Home“, „Letters home“), in denen Briefe formal interessant eingesetzt werden.

 

In Kooperation mit dem Institut für Germanistik und dem Literaturverlag Droschl

Mascha Jacobs
Jacobs © privat
Sie ist Mitherausgeberin und Redakteurin der Zeitschrift „Pop. Kultur und Kritik.“  und hat jahrelang mit dem Redaktionskollektiv „10nach8“ bei Zeit Online Texte von Autorinnen publiziert und redigiert. Ursprünglich aus dem Musikjournalismus kommend, arbeitete sie zunächst für Musikzeitschriften und den Zündfunk des Bayerischen Rundfunks, bevor sie als freie Autorin über Kunst, Literatur, politische Bücher und sozialpolitische Themen schrieb. Sie wurde einer breiteren Öffentlichkeit durch ihren Literatur-Podcast „DEAR READER“ (https://dearreader.podigee.io/) bekannt. Das Format wird koproduziert von Burg Hülshoff – Center for Literature (CfL). Dort spricht sie mit Autor:innen über die Bücher, die ihnen besonders viel bedeuten. In den Gesprächen geht es um die Wege, auf denen sie zu den Büchern finden, wie das Gelesene sie verändert und ob und wie Lesen und Schreiben für sie zusammengehören. Sie moderiert Veranstaltungen, tanzt gerne die Texte anderer Autor*innen und wäre gerne hauptberuflich Vorleserin geworden.Mehr erfahren
Anne-Kathrin Reulecke
Reulecke © privat
Studium der Allgemeinen Literaturwissenschaft und deutschen Literaturgeschichte sowie Geschichte in Hamburg. 2003-2009 Wissenschaftliche Assistentin am Institut für Literaturwissenschaft, Deutsche Philologie, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Technischen Universität Berlin (Lehrstuhl Sigrid Weigel). 2010–2012 Forschungsprojekt "Blindheit als Figur des Wissens in Literatur und Film" am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung. 2010 Max Kade Distinguished Visiting Professor of German University of Virginia, Charlottesville (USA). Seit 2012 Universitätsprofessur für Neuere deutschsprachige Literatur mit dem Schwerpunkt "Literaturtheorie und Geschichte und Theorie der literarischen Ästhetik" am Institut für Germanistik der Graz.Mehr erfahren
Di., 19.05.2026
Datum
19:00 Uhr
Uhrzeit
€ 10,00
Preis
€ 8,00
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